Hast du dich schon einmal gefragt, wie unser liebstes Nachbarland Italien Weihnachten feiert? Welche Bräuche man in Italien während der Weihnachtszeit pflegt? Wann es die Geschenke gibt und was die Italiener zu Weihnachten essen? Ich habe meine italienischen Freunde befragt und meine Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zusammengefasst und so ist ein Almanach entstanden, der Dich Weihnachten in Italien miterleben lässt.
Dass es in Italien auch Weihnachtsmärkte gibt, und zwar sehr schöne, hast Du in meinem letzten Blogartikel ‚Meine 7 magischen Weihnachtsmärkte‘ lesen können. Weihnachten ist natürlich weit mehr als Verkaufsstände, Glühweinduft und Jingle Bells (ja, auch das hört man in Italien)!

Il periodo natalizio – Weihnachtszeit in Italien

Der deutsche Brauch des Adventskranzes ist in Italien quasi unbekannt. Wenn, dann werden Adventskränze an den großen Plätzen einer Gemeinde aufgestellt. Auch in den Kirchen findet man Adventskränze. Wieso nicht in den Familien? In Italien wird der Kranz mit einer Beerdigung verbunden! Immer mehr gekauft werden hingegen Türkränze, die im Italienischen jedoch Ghirlanda heißen. Was in diesem Fall nichts mit der deutschen Girlande zu tun hat!

Die Geschichte des Weihnachtsbaums – l’albero di Natale artificiale 

Der inoffizielle Start in die Weihnachtszeit ist in Italien der 8. Dezember. Die festa dell’Immacolata Concezione (Maria Empfängnis) ist ein Feiertag und es wirkt, als würde ganz Italien an diesem Tag verreisen. Die Hotels im Trentino und in Südtirol sind bereits Monate vorher ausgebucht und wenn die Immacolata auf einen Donnerstag oder Dienstag fällt, wird ein vorweihnachtlicher Ponte (Brückentag) eingelegt. Dieses Jahr fiel das Fest auf einen Samstag, was zu einem weiteren Gedränge auf den Autobahnen führte. Am Ziel angekommen, werden die Weihnachtsmärkte der näheren und auch weiteren Umgebung angesteuert, was zu weiteren Staus führt.
Wer zu Hause bleibt, nutzt die Zeit um den Christbaum aufzustellen. Der Weihnachtsbaum ist in der Regel aus Plastik, zusammenlegbar und sehr bunt geschmückt. Auf meine erstaunte Frage ‚weshalb und wieso‘, kamen ebenso erstaunte Fragen zurück und die völlig überzeugende Antwort: ist praktisch, schaut immer gut aus und lässt sich wunderbar gestalten. In der Tat wird der italienische Christbaum immer wieder verändert – es kommen neue Kugeln hinzu und die elektrischen Lichter werden von grün auf rot umgestellt. Kurz gesagt: der Weihnachtsbaum ist aktiver Bestandteil der Vorweihnachtszeit in Italien!
Neben oder unter dem italienischen Christbaum wird auch schon die Krippe platziert. Natürlich noch nicht mit dem Jesuskind und Maria und Josef. Doch die ersten Hirten sind bereits unterwegs und ein paar Schafe haben es sich auch schon gemütlich gemacht. Im Laufe der nächsten Wochen finden immer mehr Figuren ihren Platz in der italienischen Krippe, bis dann in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember auch Gesù Bambino in die Krippe gelegt wird.
Ob das Jesuskind in einer Grotte oder in einem Stall geboren wurde, ist auch in Italien nicht festgelegt: Das berühmteste italienische Weihnachtslied „Tu scendi dalle stelle“ spricht von einer Grotte, Neapel hingegen ist berühmt für seine Krippen. Dort gibt es sogar eine via del Presepe, in der das ganze Jahr Weihnachten ist! 

Die Geschichte der Weihnachtsbriefe – Caro Babbo Natale

In den Tagen um den 8. Dezember starten in den Kindergärten und Grundschulen in Italien die Vorbereitungen für die große Weihnachtsaufführung am letzten Tag vor den Schulferien. Eine große Aufregung für die Kinder und ein nicht zu unterschätzender zusätzlicher Stress für Lehrer und Eltern, Großeltern, die aktiv in die Vorbereitung involviert sind! Doch am Tag der Aufführung sind alle sehr stolz! Die Weihnachtsferien in Italien gehen in der Regel vom 24.12. bis zum 06.01. und sind damit, neben den Sommerferien, die längsten Ferien in Italien.
Um den 8. Dezember werden in den scuole d’infanzia (Kindergärten) und den scuole elementari (Grundschulen) auch die Briefe an den Weihnachtsmann, an das Gesù Bambino oder an die Befana geschrieben. Die Befana ist die sogenannte Weihnachtshexe, die am 6. Januar auf ihrem Besen angeflogen kommt und die braven italienischen Kinder beschenkt. Den nicht so braven Kindern hinterlässt sie ein paar Kohlestücke.
Wie so ein Brief aussieht, habe ich dem Buch ‘‘Lieber Weihnachtsmann – Bitte nicht wie letztes Jahr“ (Diogenes Verlag) entnommen. Hier schreibt die 8-jährige Susanna aus Tivoli (Rom):

Liebe Befana,

ich hätte gern eine Puppe, die lacht; wenn Du die nicht hast, eine Puppe, die weint. Für meine Mama bring Pralinen und einen Panettone. Oder was anderes. Für den Opa Bonbons. Oder was anderes. Für die Oma Wollstrümpfe. Für den Lehrer Giovanni ein Montanbaiki, dann wird er dünner. Und keinen Käse, den mag ich nicht.

Susanna

P.S. Meine Tante Patrizia glaubt nicht an Dich und ist schuld, dass ich den ganzen Brief falsch gemacht habe, bringe ihr doch einen Sack Kohle.

 

 

Die Geschichte der Heiligen Lucia – Santa Lucia – il giorno più corto che sia

Früher einmal war die Wintersonnwende auf den 13.12. terminiert. Daher der Spruch Santa Lucia – il giorno più corto che sia (Santa Lucia – der kürzeste Tag, den es gibt). In Italien war es Brauch, dass an diesem Tag diejenigen, die während des Jahres eine gute Ernte eingebracht hatten, einen Teil an die Bedürftigen abgaben.
Lucia war ein junges attraktives Mädchen aus reichem Hause. Sie war einem Patrizier aus Syrakus versprochen. Doch dann erkrankte ihre Mutter schwer. In ihrer Verzweiflung betete Lucia zur Märtyrerin Agata, die ihr ans Herze legte, sich zur Rettung der Mutter von nun an der Ärmsten anzunehmen. Und so geschah es: Lucia löste die Verlobung und verteilte den Reichtum der Familie unter den Armen. Ihr verschmähter Verlobter war mit dieser Entscheidung jedoch gar nicht einverstanden (die Mitgift war auch zu verlockend gewesen!) und rächte sich: er schwärzte sie als Christin beim Präfekten Pascasio an. Zu jener Zeit (Ende des 3./Anfang des 4. Jahrhunderts) war das Christentum verboten – Lucia wurde eingekerkert und schlimmster Folter unterzogen. Doch weder diese, noch die öffentliche Verbrennung, noch die Kraft von 6 Ochsen, die in unterschiedlichen Richtungen an ihr zogen, töteten sie. Erst der Präfekt höchstselbst richtete sie mit einem gezielten Dolchstoß am 13.12 304 hin.
Die Geschichte der Lucia lebt jedoch weiter: seit 313 werden sie und ihre guten Taten an ihrem Todestag gefeiert. So stellen in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember die Kinder einen Teller mit grobem Salz und Maismehl (für den Esel) sowie ein Glas Wein oder Grappa für die Hl. Lucia vor die Haustüre. Am Morgen finden sie dafür Süßigkeiten, Mandarinen und Nüsse und so manches Spielzeug. An der Festa di Santa Lucia wird traditionell Spielzeug verschenkt.

Die Geschichte des Brots von Toni – Il panettone

Die kleine Susanna in ihrem Brief an die Befana wünschte sich für ihre Mama einen Panettone. Anders als in Deutschland werden an Weihnachten in Italien keine Plätzchen gebacken. Dafür gibt es eine Auswahl besonderer Kuchen oder Süßteile. Der bekannteste Kuchen ist sicherlich der italienische Panettone. Die legendenhafte Geschichte seiner Entstehung verdient es, erzählt zu werden:
Es begab sich einst am Hofe von Ludovico il Moro (Ende 15. Jhd.) aus dem Mailänder Geschlecht der Sforza, dass dem Küchenchef am Hl. Abend die Süßspeise verbrannte. Toni, der Küchenjunge, konnte die Verzweiflung des Chefs allzu gut nachfühlen und so sagte er: Wir hatten noch ein wenig Mehl, Butter, Eier, die Schale der Zeder und ein paar Rosinen in der Speisekammer. Daraus habe ich diese Nachspeise gebacken. Wenn Du nichts anderes hast, nimm es. Der Küchenchef nahm den Kuchen und brachte ihn den noblen Gästen. Hinter einem Vorhang versteckt, wartete er zitternd auf die Reaktion der Gesellschaft. Und die überbot sich in begeisterten Ausrufen. Als der Herzog den Namen dieser Köstlichkeit wissen wollte, sagte der Küchenchef: «L’è ‚l pan del Toni», das Brot von Toni (panettone).
Der Panettone gehört in Italien zu Weihnachten – zusammen mit einem Glas Bollicine (perlender Sekt) ist er fester Bestandteil jeglicher Festivität.
Nicht ganz so bekannt sind die regionalen Weihnachtskuchen: Früchtebrot (Südtirol), Zelten (Trentino), Panforte (Siena), Pandoro (Verona), Pandolce (Ligurien), Buccellato (Sizilien) und Struffoli (Neapel).  Aber damit endet die Bandbreite noch nicht – quasi jede Provinz hat ihre höchsteigene Spezialität!

 

 

Die Geschichte des mageren Abendessens – La Vigilia

In Italien ist der 24.12. ein ganz normaler Arbeitstag. Wer kann, nimmt sich den Nachmittag frei, doch die Geschäfte haben bis 20.00 Uhr (teilweise sogar bis 23.00 Uhr!) geöffnet.
Eigentlich will es die Tradition, dass man am Heiligen Abend fastet – ‚si mangia di magro‘. Mangiare di magro kann aber auch heißen: auf Fleisch verzichten. Was für ein grandioser Anlass, ganz köstliche Fischmenüs zu kreieren! In den Marken ist die traditionelle Fischspeise der ‚stoccafisso‘, der Stockfisch, der schon Tage vor dem Heiligen Abend geschlagen und eingeweicht wird. Am 24.12. wird er in der Früh von Rückgrat und Gräten befreit und in einen hohen Bräter gelegt, mit klein gehacktem Sellerie, Karotten, Kapern, Sardellen, Rosmarin und schwarzen Oliven belegt und dann mit etwa 0,5 l Olivenöl und Verdicchio begossen. Dann köchelt er etwa zwei Stunden bei niedriger Temperatur vor sich hin: 30 Minuten auf Gas, 1,5 Std auf dem Elektroherd (in Italien ist das Wechseln zwischen den Herdarten eine Selbstverständlichkeit). Am besten schmeckt der Stockfisch zwölf Stunden nach dem Kochen! Da normalerweise um 18.00 Uhr mit dem Essen begonnen wird, heißt das früh aufstehen!

 

Das Heilig-Abend Fastenmenü – Weihnachten in Italien

Doch der Stoccafisso ist nicht das einzige Gericht, das an diesem Abend in großer (oft sehr großer Runde!) gegessen wird. Ein typisches Heilig Abend Menü in den Marken setzt sich aus folgenden Speisen zusammen (danke, Ettore, für Deine Liste!):

  • Bruschette mit Knoblauch und Tomaten sowie mit Tartufo „scorzone“ aus Umbrien
  • Kartoffelgnocchi mit Fischsugo
  • Vincisgrassi (typische Lasagneart in den Marken) mit Pilzen, Auberginen und Mozzarella
  • Frittierter Fisch
  • Stockfisch nach Anconer Art (siehe oben)
  • Beilagen: Kartoffeln, Tomaten, Auberginen, Zucchine, Salat, Fenchel
  • Frisches Obst

 

Um Mitternacht gehen alle in die Messe (messa di mezzanotte) und dann isst man weiter … oder verspeist die Reste am 25.12 (a Natale) zum Mittagessen. Auch hier trifft sich wieder die ganze Familie, Onkel und Tanten, Großeltern, Cousins und Cousinen. Oft sind es 20 – 30 Leute, die gemeinsam Weihnachten feiern.

 

 

Die Geschichte der Geschenke– 4 volte regali, non solo sotto l’Albero di Natale!

Traditionell liegen die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum und das große Auspacken startet am 25.12. Doch die Weihnachtszeit – speziell im Norden Italiens – ist für die italienischen Kinder quasi ein permanenter Geschenke-Regen!
Die Bescherung in Italien startet am 5./6.12. mit dem Hl. Nikolaus, San Nicolò, der jedem Kind ein kleines Säckchen mit caramelle (Bonbons), mandarancini (Mandarinen), arachidi (Erdnüssen), carrube (Johannisbrot) und eine trombetta (kleine Tröte – da freuen sich die Eltern!) bringt.
Weiter geht es mit der Hl. Lucia, 13.12., die neben Mandarinen und Nüssen auch Spielzeug schenkt.
Am 25.12. ist es der Babbo Natale, der für Geschenke sorgt und am 6.1. dann die Weihnachtshexe Befana, die nochmals ein Geschenk für die braven Kinder im (früher im Kamin) aufgehängten Strumpf zurücklässt.
Ein Glück, dass viele italienische Firmen im Dezember ein dreizehntes Monatsgehalt auszahlen, denn die Ausgaben an Weihnachten in Italien sind immens!

 

 

Die Geschichte von roten Unterhosen und Linsen – San Silvestro

In der Zeit zwischen den Jahren fahren viele Italiener in den Urlaub oder nutzten die Tage, um ins Kino zu gehen! Seit einigen Jahren ist Cinepanettone der Renner. Cinepanettone setzt sich aus Cinema und Panettone zusammen – extra für die Weihnachtszeit (Panettone) konzipierte Filme (Cinema). Qualität und Inhalt sind jetzt nicht unbedingt hochwertig, aber die Filme sind lustig, leicht und gerade richtig für ein entspanntes Kinovergnügen.
Am letzten Tag des Jahres feiert man wieder gemeinsam, mit der Tombola (eine Art hausgemachtes Lotto) und natürlich wieder einem mehrgängigen Menü. Auch hier der Tradition folgend, mit leichten Abweichungen, je nach Gusto. Doch gewisse Elemente dürfen in diesem italienischen Menü nicht fehlen:
Die Linsen sind ein wichtiger Bestandteil, denn mit ihrer Form erinnern sie an Goldmünzen. Werden sie gekocht, vergrößert sich ihr Volumen: genau diesen wachsenden Reichtum wünscht man sich und seinen Gästen für das neue Jahr.
Zu den Linsen isst man den Cotechino (eine Art gefüllte Kochwurst), auch er ein Glücksbringer für das neue Jahr. Anstelle des Cotechino findet sich in der traditionellen Küche häufig der Zampone (zampa = Pfote) – in diesem Fall ein gefüllter Schweinsfuß.
Damit man auch in der Liebe Glück hat, sollten die Männer am letzten Tag des Jahres eine rote Boxershorts und die Damen einen roten Slip tragen. Aber damit endet nicht der Aberglaube: die Unterwäsche sollte geschenkt worden sein und am nächsten Tag weggeworfen werden.
Wie auch immer Familie und Gäste den Abend verbringen, am nächsten Tag (Capodanno) speisen sie nochmals gemeinsam in einem Restaurant, bevor wieder etwas Ruhe in den Alltag einkehrt.

 

 

Mein erstes Silvester in Italien endete mit einem Faux Pas meinerseits: als überzeugte Vegetarierin lehnte ich sowohl Cotechino als auch Zampone (ja, es gab beides!) rigoros ab. Was nicht nur als negatives Zeichen für das kommende Jahr gesehen wurde, sondern auch schlichtweg unhöflich war! Meine Gastgeber waren traurig und ich habe mich total geschämt. Doch daraus hatte ich gelernt und klärte nun in der Folge immer vorab darüber auf, dass ich kein Fleisch esse. Und – seitdem gibt es immer nur Fisch!

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