Täglich ziehen bis zu 80.000 Touristen durch die ewige Stadt der Liebe, Venedig – und sie folgen den üblichen Tipps der bekannten Reiseführer: Ferrovie – Rialto – San Marco – und wieder zurück. Dass Venedig sehr viel mehr ist und abseits der überlaufenen Calli noch echte Geheimtipps wie kleine Handwerksläden, einsame Plätze und versteckte Gärten birgt, wissen viele der ‚turismo mordi e fuggi‘ Touristen nicht. Um Venedig richtig kennen zu lernen und seine schönsten Ecken zu entdecken, ergeht man die Stadt am besten – abseits der bekannten Tipps und Touristenpfade und nicht auf einem der überfüllten Vaporetti.

Meine erste Reise nach Venedig liegt mittlerweile schon vier Jahrzehnte zurück: wir fuhren damals von Punta Sabbioni, wo wir unsere Pfingstferien verbrachten, mit dem Schiff nach Venedig. Wie aufregend! Und gleichzeitig wie dreckig und fremd mir die Lagunenstadt damals vorkam! Aus den Kanälen stieg ein unangenehmer Geruch empor, alles wirkte irgendwie modrig.

Heute ist das ganz anders: Venedig ist an manchen Stellen viel zu modern (ich denke nur an die Bausünde am Campo Manin), mit viel Geld finanzieren Berühmtheiten die Renovierung ihres Zweit- und Drittanwesen, das Müllwesen ist perfekt organisiert und die Müllmänner/-frauen leisten großartige Arbeit. Und auch für mich hat sich natürlich viel geändert: aus dem damaligen Tagesausflug wurde eine Woche vor Ort, dann drei Monate, schließlich ein ganzes Studium und nun ein wunderbarer Arbeitsplatz. Doch ich glaube für jeden gilt: wer einmal eine ganze Woche in Venedig verbracht hat, sieht die Stadt an der Lagune mit ganz anderen Augen!

Ich verrate Dir in meinem Artikel meine besten 7 Geheimtipps für Venedig – wo Du noch das echte venezianische Leben mitbekommst und nicht als lästiger Tourist gesehen wirst.

Los gehts mit meinen Venedig Tipps!

Sprachreise nach Venedig: Frühmorgens den Markusplatz genießen

Venedig am Morgen erleben

Langsam erwacht die Piazza San Marco zu Leben. Ein leichter Dunst hängt über dem Bacino, in der Ferne hört man die Rufe der Müllmänner, die ihre noch leeren Wägen über die kleinen Brücken hieven. Aus der nahegelegenen Bar strömt ein verführerischer Duft nach Caffé und frisch zubereiteten Brioche. Vereinzelt eilen Geschäftsleute über den Platz, ansonsten ist er menschenleer.

Das ist meine Lieblingsstunde in Venedig, jetzt ist Venedig die ‚Serenissima‘ (die Durchlauchtigste), die ‚citta sulle acque‘ (die Stadt auf dem Wasser) in ihrer ganzen Schönheit. (Und noch ein Tipp: Hier erfährst Du, warum man Venedig am Faschingssonntag bis 10.00 Uhr verlassen haben sollte)

 

Cafe Florian am Markusplatz

Cafe Florian am Markusplatz

Jetzt höre ich Dich schon sagen: Was? Dieses völlig überteuerte Café in Venedig soll ein Geheimtipp sein? Ja – genau, das. Denn, wenn Du weißt, wo Du Deinen Caffè trinkst, ist das Café Florian im Herzen der Stadt auch nicht teurer als andere Bars in Venedig! Wenn das Florian um 09.00 Uhr öffnet, gehst Du ganz einfach durch das Café durch und nach links, zur Bar. Dort stehen freundliche Baristi, die Dir für 3,50 Euro eine heiße Schokolade oder einen köstlichen Cappuccino zubereiten. Dazu ein kleines Süßteil. Ist zwar etwas teurer als in manchen anderen Bars in Venedig, aber dafür hast Du das wunderbare Ambiente des ältesten Cafés der Stadt. Wenn Du zur Happy Hour kommst, gibt es den Spritz für 6,00 Euro und dazu noch ganz viele der sogenannten Cichetti: köstliche Tramezzini, Crostini, Oliven, Erdnüsse, Kapern. Die einzige ‚Bedingung‘: Du bleibst im Barbereich (sollten die Barhocker frei sein, einfach hinsetzen – kostet in diesem Falle auch nicht mehr)!

Sant'Elena, die grüne Lunge von Venedig

Sant’Elena und weitere Sehenswürdigkeiten

Die letzte Insel des Centro Storico ist Sant’Elena, die grüne Lunge der Stadt Venedig. Wenn Du gerne gehst und etwas Zeit mitgebracht hast, ist es vom Markusplatz ein Spaziergang von etwa 30 Minuten. Über die Seufzer-Brücke (Ponte dei sospiri), immer weiter am Bacino entlang, am Arsenale vorbei auf die Riva dei Sette Martiri. Es lohnt sich immer wieder eine kleine Pause einzulegen und einfach nur zu schauen: das glitzernde Wasser, der Lido, San Giorgio … Dann kommt schon die Brücke zu den Giardini, bereits hier wird es wunderbar grün und dann noch eine Biegung, eine Brücke und eccola: l’isola di Sant’Elena.

Und auf einmal hast Du das Gefühl, an einem ganz anderen Ort zu sein: Stille, frische Luft, Einsamkeit, vereinzelt Rufe der Bewohner. Hierhin verirren sich kaum Besucher – nur solche, die ein bisschen Ruhe genießen wollen. Wenn Du willst, kannst Du Dich auf die Grünflächen legen und einfach genießen! Wer lieber mit dem Vaporetto fährt, nimmt die Nr. 1 von der Haltestelle S. Zaccaria (Markusplatz) bis Sant’Elena.

Musica a Palazzo erleben

Musica a Palazzo

Das Fenice (mit vollem Namen: Gran Teatro La Fenice di Venezia) kennt fast jeder. Wunderbare Aufführungen sind hier in einem tollen Rahmen zu besuchen. Doch für mich noch viel eindrucksvoller sind Venedigs Opernaufführungen im direkt am Canal Grande gelegenen Palazzo Barbarigo Minotto aus dem 15. Jahrhundert. So muss der Ursprung der Oper gewesen sein: ein kleines Orchester (Klavier, 3-4 Violinen, Cello) und 3 Solisten, die sich mitten unter den max. 70 Zuschauern bewegen, singen, weinen, flehen und gestikulieren. Jeder Akt in einem anderen Saal – bei Kerzenschein. Und so wandert man vom großen Salone in die Sala Tiepolo (mit einem echten Tiepolo als Deckengemälde) in die Sala del Baldacchino, trinkt in der Pause ein Glas Prosecco und blickt dabei auf den Canal Grande. Ein Erlebnis!

Rudern in Venedig

Rudern auf Venezianisch

Was in Deutschland der Fußball, ist in Venedig das ‚vogare‘, das Rudern im Stehen – wie die berühmten Gondolieri! Und so sind alle meine venezianischen Bekannten und natürlich auch ihre Kinder in einem der vielen Ruderclubs. Der jährliche Höhepunkt ist natürlich die Vogalonga im Juni. Doch um die geht es hier gar nicht. Es ist vielmehr der ganz andere Blick auf Venedig, den man von einem dieser kleinen, zierlichen Boote gewinnt, die durch die Kanäle gleiten. Am Anfang ist es etwas gewöhnungsbedürftig: in einem wackeligen Boot stehen, das Gleichgewicht halten und dann auch noch mit nur einem Ruder voran zu kommen! Aber es macht ungemein viel Spaß und wenn man gar nicht mehr kann, lässt man sich einfach von den netten Trainerinnen durch die stillen Wasserstraßen des Sestiere Cannaregio rudern und genießt die besondere Aussicht auf Palazzi, Häuserfronten und versteckte Gärten, die man als Fußgänger sonst nie zu sehen bekäme. 

Stoffkunst in Venedig bewundern

Bevilacqua und seine Stoffkunst

Im Jahr 1554 gab es 1200 Weber in Venedig – heute gibt es – im ganz Land! – nur noch eine einzige Weberei (mit 7 Weberinnen), die die traditionelle Kunst der Seiden- und Samtherstellung pflegt: die Tessitura Bevilacqua.

Wenn man die Weberei betritt, meint man einen Schritt in weit zurückliegende Jahrhunderte zu machen. Ihre Webstühle sind aus dem Jahr 1700, alles hat einen leicht muffigen Touch, in meterhohen Regalwänden stehen Lochplatten, denen man die Jahrhunderte ansieht. Denn auch heute noch wird nach den alten Mustern gefertigt.

Es ist eine andere Welt, ein anderes Denken – doch hochmodern! Was die Weberinnen in Venedig aus Seide und Wolle kreieren, ist Teil der Alta Moda (Armani, Gucci etc.), hängt als Wandbehang im Kreml und im Weißen Haus und bald auch in der Residenz in Dresden. Doch es dauert, denn pro Tag kann eine Weberin maximal 30 cm des kostbaren Tessuto herstellen! Für mich immer wieder ein faszinierendes Eintauchen in die venezianische Tradition.

Cappuccino in Venedig

Bottega del Caffè Dersut

Den für mich besten Caffè (abgesehen von jenem im traditionsreichen, aber leider ziemlich unfreundlichen Caffè Rizzardini) gibt es in der Bottega Dersut, direkt bei der Frari Kirche. Fremde sind hier kaum, dafür die Venezianer aus dem Sestiere San Polo. Sie kommen in der Früh für ihren morgendlichen Cappuccino, zwischendrin für einen schnellen Caffè (Espresso) und am Nachmittag dann nochmal für einen weiteren caffè.

Die Auswahl an süßen Kleinteilen mag in anderen Bars reichhaltiger sein, aber was hinter der Vitrine bereit liegt, ist köstlich. Und ganz besonders ist die Freundlichkeit der Bedienungen: auch bei großem Andrang bleiben sie gelassen, lachen mit ihren Stammgästen (für die sie automatisch das Gewünschte hinstellen) und vermitteln Dir den Eindruck: wir wissen, dass der Caffè ein wichtiger Teil des Lebens ist!

Tipp: Bis um 11.00 Uhr kann man sich hier übrigens ohne Zusatzkosten an den Tisch setzen, eine der ausliegenden Zeitungen lesen oder die vorbeigehenden Besucher der Lagunenstadt studieren. Einer meiner Lieblingsorte in Venedig, bevor ich zum Unterrichten gehe!

Eine tolle Perspektive: Venedig von der Dachterrasse

Zusatz-Tipp: Fondaco dei Tedschi 

Im Fondaco dei Tedeschi sind leider sehr viele Touristen. Er ist ja auch eigentlich und in erster Linie für zahlungskräftige Besucher Venedigs gestaltet worden und taucht selbstverständlich in jedem Reiseführer auf. Abgesehen von der für mich sehr gelungenen Innenarchitektur, die dem Original nachgebildet wurde, gibt es hier eine der schönsten Dachterrassen der Stadt, die man bei einem Venedig-Besuch auf jeden Fall begehen sollte. Mittlerweile ist es notwendig sich online zu registrieren. Das Ganze ist kostenfrei, allerdings ‚mit Termin‘ und auf 15 Minuten beschränkt.

Mein Tipp: Diese 15 Minuten genügen! Du stehst auf der Dachterrasse und überblickst von dort ganz Venedig, die mehr als 100 Kirchtürme, die Kuppeln venedigs Bauwerke, die Altane und Dachgärten. Direkt vor Dir die Palazzi am Canal Grande, links und rechts der Rialto Brücke, am Horizont di Alpen. Ein Anstehen (und Zahlen) am Campanile und auf der Isola di San Giorgio kannst Du Dir getrost sparen!

Und Du? Was sind Deine besten Tipps für Venedig? Hast Du in Venedig einen Lieblingsort oder weitere Geheimtipps für die ewige Stadt der Liebe? Vielleicht möchtest Du etwas darüber erzählen? Ich freue mich über Deinen Kommentar!

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