‚Der englische Patient‘ ist doch bestimmt in der Toskana gedreht worden. Aber wo genau? Don Camillo e Peppone ‚lebten‘ sicher irgendwo in der Po-Ebene. Bei ‚Pane e Tulipani‘ ist es eh klar: Venedig. Aber wo war der Blumenladen? Begib Dich auf eine imaginäre Reise zu den Drehorten bekannter italienischer Filme und hole Dir so Italien nach Hause! Viel Spaß beim Lesen von: Wo die (für mich) sieben schönsten Filme gedreht wurden. 

Unsere Reise führt uns durch sechs Regionen Italiens, von der Reggio Emilia bis in die Basilicata. Wir starten in Brescello, einem kleinen Ort in der Po-Ebene. Weiter geht es über Venedig nach Cortona, von dort nach Arezzo und Camprena. Zielort der Reise ist die Basilicata – und Bayern!

Don Camillo e Peppone

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Einst lebten in der Po-Ebene Norditaliens, im fiktiven Ort Boscaccio, zwei Männer in trauter Zwietracht: Hochwürden Don Camillo, der temperamentvolle Pfarrer mit den lockeren Fäusten, und sein nicht weniger streitbarer Erzfeind Peppone, Bürgermeister und Anführer der Roten. Beide Männer verfolgten das gleiche Ziel – das Dorf und seine Bewohner glücklich zu machen. Ihre Vorstellungen vom Glück waren jedoch etwas unterschiedlich …

Bereits zu Weihnachten 1946 konnte man in Italien im Satiremagazin Bertoldo die Geschichten um Don Camillo e Peppone lesen. Der Erfolg war so gigantisch, dass Guareschi – bis dato Chefredakteur des Magazins – den Auftrag erhielt, ein Buch über die beiden Widersacher zu schreiben. Dem ersten Buch (Mondo Piccolo: Don Camillo) sollten acht weitere folgen. Als Vorbild dienten Guareschi Don Camillo Valota (ein katholischer Priester, Partisan und Gefangener der Konzentrationslager Dachau und Mauthausen) sowie der Dorfpfarrer von Trepalle (Sondrio), dem höchstgelegenen Ort Europas (2.069 m). Um sich in seinen Hauptakteur einfühlen zu können, verbrachte Guareschi immer wieder einige Wochen bei Don Alessandro Parenti (der dank der Bücher Eingang in Wikipedia gefunden hat).

Zwischen 1952 und 1965 entstanden fünf Filme mit den großartigen Fernandel und Gino Cervi.

Auch heute noch sind die beiden Protagonisten in Brescello präsent: Auf der zentralen piazza Maggiore steht vor der Kirche die Statue Don Camillos, vor dem Rathaus jene von Peppone. Wer in alten Filmbildern schwelgen, Requisiten ansehen und einen ‚tuffo nel passato‘ machen möchte, ist im Don Camillo e Peppone Museum in der via De Amicis genau richtig. 

Brot und Tulpen (Pane e Tulipani)

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Vor mehr als zwanzig Jahren (1999) wurde diese wunderschöne romantische Komödie mit Licia Maglietta (Rosalba) und dem unvergesslichen Bruno Ganz (Fernando) gedreht. Venedig spielt natürlich, neben der netten Geschichte, eine wichtige Rolle. Doch in Venedig Orte zuordnen zu können, ist nicht ganz einfach. Ein paar Hinweise sind durch die Handwerksläden geben, die es in Venedig besonders im Sestiere Cannaregio gibt. Und tatsächlich befindet sich der Blumenladen hier. Doch wo genau?

Wenn ihr schon einmal die Hochzeitskirche Venedigs besichtigt habt, die Chiesa Santa Maria dei Miracoli, dann wart ihr in unmittelbarer Nähe zum Campo Santa Maria Nova. Genau dort befand sich einst der Blumenladen! Leider ist er seit einigen Jahren geschlossen (wie so viele andere alteingesessene Läden in Venedig). Auf dem Campo stellte Rosalba auch die Frage der letzten Szene: “Non vorrei sembrarle precipitosa, ma… se ci dessimo del tu?” (ich möchte nicht ungestüm erscheinen – aber wie wäre es, wenn wir uns duzten?).

Der Platz verdankt seinen Namen im übrigen der im 13. Jhd errichteten Kirche ‚Santa Maria Nova‘. Unter Napoleon wurde sie ‚entleert‘ und als Waffendepot verwendet. 1852 wurde sie endgültig abgebaut.

 

Unter der Sonne der Toskana (Sotto il sole della Toscana)

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Der Film bedient alle Klischees: depressive, vom Ehemann betrogene Amerikanerin (Diane Lane wurde für ihre Darstellung der Frances für den Golden Globe nominiert) macht eine Urlaubsreise in die Toskana, verliebt sich zunächst in ein Anwesen, das zufälliger Weise gerade zum Kauf angeboten wird, verliebt sich dann in den sehr guten aussehenden Italiener Marcello (Raoul Bova ist wie immer ein Hingucker), kocht köstliche italienische Menues (tolle Bilder, absolut appetitanregend) und schafft sich ihre italienisch-polnisch-amerikanische Familie. Klingt stereotyp? Ist es auch. Aber wunderbar gemacht.

Weite Teile des Films wurden in Cortona gedreht, einem kleinen mittelalterlichen Ort in Umbrien, direkt an der Grenze zur Toskana. Die Szene, in der Frances eine Postkarte für einen ihrer Mitfahrer schreibt, ist genau auf der auf dem Foto abgebildeten Terrasse gedreht.
Die tollen Festszenen, in denen Pawel, der polnische Ziehsohn von Frances, sich als Fahnenwerfer zeigt, wurden in Gubbio aufgenommen.
Die Sonnenblumenfelder, grünen Hügel, Zypressenalleen zeigen alle das Val di Chiana.

Das Leben ist schön (La vita è bella)

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Bei diesem Film muss ich immer weinen – egal, wie oft ich ihn bereits gesehen habe. Völlig zurecht gilt er als ‚bester italienischer Film‘ aller Zeiten und wurde 1999 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film, die beste Musik und den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet. 

Der erste Teil wurde in der Toskana und Umbrien gedreht.  Zunächst genießt man die Herz erwärmende Darstellung des Lebens in der Kleinstadt  Arezzo. Hier macht  Guido (Roberto Benigni), der jüdische Buchhändler, seiner principessa Dora (Nicoletta Braschi) den Hof und gewinnt die Lehrerin schließlich als Ehefrau. Ihr gemeinsamer Sohn Giosuè hilft seinem papà in der Buchhandlung und spielt dabei immer mit einem Spielzeugpanzer. Neben Arezzo waren Montevarchi, Castiglion Fiorentino, Ronciglione und Papigno die Drehorte.

Im zweiten Teil spielt sich das Leben der Familie im Konzentrationslager ab. In Wirklichkeit war dies eine alte Fabrik in der Nähe von Terni. Benignis Vater hatte zwei Jahre im Konzentrationslager Bergen-Belsen zugebracht, auf dessen Erfahrungen viele der Szenen basieren.

Heute sind in Arezzo Gedenktafeln aufgestellt, die an die Schauplätze erinnern, an denen La vita è bella gedreht wurde.

Der englische Patient (Il paziente inglese)

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Neun Oscar gewann der Film 1997 und die Geschichte des ungarischen Grafen Lázló Almásy (Ralph Fiennes), seiner britischen Geliebten Katherine (Kristin Scott Thomas) und der kanadischen Krankenschwester Hana (Juliette Binoche) ist großes Kino.  

Die wunderbaren Szenen im verlassenen Konvent sind in einem ehemaligen Benediktiner Kloster aus dem 15. Jhd. aufgenommen worden. Es liegt etwa 6 km von Pienza, der idealen Stadt, entfernt in der kleinen Ortschaft Sant’Anna in Camprena. Heute befindet sich in dem Monastero ein exklusiver Agriturismo, in dem u.a. der beeindruckende Freskenzyklus ‚Il Sodoma‘ im Refektoriumssaal erhalten ist.   

Die Außendreharbeiten wurden in Pienza, Ripafratta, in Triest und Venedig durchgeführt.

Die meisten Dreharbeiten für den Film fanden jedoch – wie unromantisch – in Rom, in den Hallen der Cinecittà statt.  Auch die Szene, in der Hana von Leutnant Kip Singh die Fresken von Piero della Francesca gezeigt werden, sind nicht in der Kirche San Francesco in Arezzo, sondern in den Studios von Cinecittà gedreht … 

 

Willkommen im Süden (Benvenuti al Sud)

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Die meisten Szenen dieses ungemein erfolgreichen (und sehr amüsanten) Films sind in Santa Maria di Castellabate (Kampanien) gedreht.

Dorthin war der Postbeamte Alberto (Claudio Bisio) strafversetzt worden. Ein Aufeinandertreffen zweier Welten! Hier der Süden, der Mezzogiorno, in Stereotypen als chaotisch, zurückgeblieben und kriminell gesehen – dort der wohlorganisierte, wirtschaftlich erfolgreiche, fortschrittliche Settentrione (Brianza, Lombardei).

Die Kaffeepausen, die Billiard- oder Kickerspiele finden auf der überaus pittoresken kleinen Piazza von Santa Maria di Castellabate statt. All überall ist die typische Atmosphäre des Cilento zu sehen, quasi zu riechen.

Wenn am Ende des Films Alberto schweren Herzen des Weg zurück nach Mailand antritt gilt der Spruch „Un forestiero quando viene in Cilento piange due volte, quando viene e quando parte“ (wenn ein Fremder ins Cilento kommt, weint er zweimal: einmal, wenn er kommt und einmal, wenn er geht).   

Meine geniale Freundin (L’amica geniale)

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Elena (Lenù, Elisa del Genio) und Raffaella (Lila, Ludovica Nasti) wurden aus 9000 Kindern ausgewählt. Sie sind die wahren Heldinnen dieses Films, der auf der vierteiligen neapolitanischen Saga von Elena Ferrante beruht.

Neapel ist die zweite Haupt“person“ in diesem Film: Wäsche wird über die Gassen gespannt und getrocknet, Wortfetzen fliegen von einem Balkon zum anderen und ab und zu landet auch mal nicht nur ein Basilikum Topf im Innenhof.

Es ist das echte Leben, das dargestellt wird: der Rione Luzzatti di Gianturco (im Osten der Stadt), L‘ Arenaccia, Port’Alba und auf der Piazza Carlo III. Im Palazzo Donn’Anna in Posillipo wird das andere Neapel gezeigt – eine reiche Wohngegend, die auf einem Hügel liegend, wunderbare Ausblicke auf den Golf von Neapel gibt.

Weitere Szenen wurden auf Ischia gedreht und in Pisa, da wo Elena auf die ‚Normale‘ geht (die höhere Schule).

Zum Schluss noch ein Film, den ich – eindeutig – nach Italien verortet hätte, mich im Zuge der Recherche aber eines Besseren belehren lassen musste!

Die drei Musketiere (I tre moschettieri) 

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Dass der Film in Venedig beginnt, war mir beim ersten Anschauen vollkommen klar. Auch die anderen Szenen konnte ich dem einen oder anderen Ort in Italien (oder Frankreich) zuordnen. Doch weit gefehlt: Die drei Musketiere wurden ausschließlich in BAYERN gedreht!
Drehort der angesprochenen Eingangsszene war zum Beispiel das Schloss Weißenstein in Pommersfelden. Die anderen Drehorte waren: München, Bamberg, Würzburg, Burghausen und die Insel Herrenchiemsee!  

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