Wie wird eigentlich die Adventszeit in Italien gefeiert? Ja, wird sie überhaupt gefeiert? Schmücken die italienischen Familien ihr Haus weihnachtlich und basteln mit den Kindern einen Adventskranz? Haben Milka, Lindt und MyMuesli auch Einzug in die italienischen Adventskalender gehalten? Und was macht eigentlich der Hl. Nikolaus in Italien?

Diese und noch mehr Fragen beantworte ich hier im Blogartikel. Zur Adventszeit gehören natürlich auch die Christkindl-Märkte. Wo es die schönen Weihnachtsmärkte in Italien gibt, kannst Du in meinem Blogartikel ‚Meine 7 magischen Weihnachtsmärkte‘ lesen.

Der Adventskalender – il calendario dell’Avvento

Die erste Adventswoche in Italien: Die Italiener und ihr Adventskalender

Die Geschichte des Adventskalenders

Wissenschaftlich belegt gibt es den Adventskalender seit 1851 – er wurde als Zählhilfe und Zeitmesser verwendet.

Viel schöner jedoch ist die Geschichte des kleinen Gerhard Lang, einem Pfarrerssohn aus Maulbronn (Schwaben). In der Adventszeit nervte er seine Mutter mit der ewig gleichen Frage: “Mama, wie lange dauert es noch bis Weihnachten“? In ihrer Verzweiflung malte die Mama 24 Kästchen auf ein Blatt Papier und befestigte daran 24 kleine Säckchen. In jedem ein Plätzchen! Nun wusste der kleine Gerhard wie lange es noch bis Weihnachten dauerte. Als Erwachsener, im Jahr 1908, erinnerte sich Gerhard Lang wieder an diese Tradition. Statt der Gebäckstücke erstellte er nun 24 farbenprächtige Zeichnungen, ließ sie auf einen Karton drucken und verkaufte sie als Weihnachtskalender. Und so war er geboren: der Adventskalender. Seit 1922 gibt es die auch heute noch beliebten Kalender: Fensterchen, die man öffnen kann und hinter denen auf einer zweiten, angeklebten Papierschicht ein Bild zu sehen ist.

Der Adventskalender im Kinderzimmer

Dass jedes Kind seinen Adventskalender hat, ist ziemlich neu in Italien. Noch neuer ist der Brauch der mit Schoko und sonstigen Kleinteilen gefüllten Adventskalender. Doch mittlerweile sind sie in jedem Supermarkt zu finden und die Regale bersten über an überdimensionierten Kalendern. Was ich bislang vergeblich gesucht habe, sind die wunderschönen, mit Silberglanz verzierten Adventskalender, die historische Szenen abbilden.

Der besondere Adventskalender

Da gibt es zum Beispiel den Adventskalender von Legnano. Seit 2017 wird das zentrale Hochhaus auf der Piazza mit einem 388 m² Adventskalender bedeckt, der 24 Gemälde à 3×2 m! beinhaltet. Dieses Jahr werden es Bilder im Stile ‚Wilder Westen‘ sein, die alle Tex Willer gewidmet.

Für alle, die mit dem Namen Tex Willer nichts anfangen können: es handelt sich um die Hauptfigur einer seit 1948 in Italien erscheinenden Comic-Reihe, die im Wilden Westen spielt. In Deutschland wurde die Reihe relativ schnell wieder eingestellt und erst im Jahr 2015 durch den Panini Verlag wieder ‚reaktiviert‘.

Am 1. Dezember erfolgt die feierliche Öffnung des ersten Türchens und bis zum 24. Dezember können sich die Legnanesi (eine 60.000 Einwohnerstadt in der Nähe von Mailand) jeden Tag an einem neuen Gemälde erfreuen. Die ganze Piazza und die Gassen sind weihnachtlich geschmückt und vermitteln eine phantastische Weihnachtsatmosphäre!

Am 27. Dezember werden die Gemälde abgenommen und in den Palazzo Leone da Parego gebracht, wo sie in die dortige Kunstsammlung integriert werden.

Der Adventskranz – la corona dell’Avvento 

Advent in Italien - der italienische Adventskranz: ganz anders als der Deutsche

Der deutsche Brauch des Adventskranzes ist in Italien quasi unbekannt. Wenn, dann werden Adventskränze an den großen Plätzen einer Gemeinde aufgestellt. Auch in den Kirchen findet man Adventskränze. In den Privathäusern jedoch nicht.

Wieso nicht in den Familien? In Italien wird ein Kranz mit einer Beerdigung verbunden! Daher ist es quasi ein no-go einen Adventskranz im Haus zu haben.
Was jedoch immer mehr gekauft wird sind Türkränze. Diese heißen im Italienischen Ghirlanda,  was jedoch rein gar nichts mit der deutschen Girlande zu tun hat.

Einschub: Das ist ein ganz anderes Thema. Bei Ghirlanda und Girlande handelt es sich um sogenannte ‚Falsche Freunde‘. Mehr dazu findest Du in meinem Blogartikel ‚Caldo ist nicht kalt‘. 

Der Hl. Nikolaus  – San Nicolò

Die erste Adventswoche in Italien: der Hl. Nikolaus und sein Brauch

Die Nacht zwischen dem 5. und 6. Dezember ist für viele italienische Kinder der ultimative Start in die Weihnachtszeit.

Im Valle dei Laghi (Trentino) versammeln sich die Kinder am 5.12 am Abend auf dem Hauptplatz ihres Dorfes, wo der Hl. Nikolaus erscheint. Auch hier trägt San Nicolò ganz klassisch einen roten Umhang und einen langen weißen Bart. Jedes Kind bekommt ein kleines Säckchen mit caramelle (Bonbons), mandarancini (Mandarinen), arachidi (Erdnüssen), carrube (Johannisbrot) und eine trombetta (kleine Tröte – da freuen sich die Eltern!)

Doch nicht in allen Regionen Italiens ist dieser Brauch verbreitet. Meine Freundin in den Marken kannte ihn zum Beispiel nicht – ich habe ihr davon erzählt und sie fand ihn sehr bereichernd!
In Bari hingegen – wo die ‚größeren‘ Knochen des Hl. Nikolaus aufbewahrt werden – wird am 6.12 in der Basilica di San Nicola zu seinen Ehren geweihtes Brot verschenkt.

Briefe an den Weihnachtsmann  – Caro Babbo Natale

Die erste Adventswoche in Italien: so schreiben Kinder ihre Briefe an den Weihnachtsmann

Um den 8. Dezember werden in den scuole d’infanzia (Kindergärten) und den scuole elementari (Grundschulen) die Briefe an den Weihnachtsmann, an das Gesù Bambino oder an die Befana geschrieben. Die Befana ist die sogenannte Weihnachtshexe, die am 6. Januar auf ihrem Besen angeflogen kommt und die braven italienischen Kinder beschenkt. Den nicht so braven Kindern hinterlässt sie ein paar Kohlestücke.
Wie so ein Brief aussieht, habe ich dem Buch ‘‘Lieber Weihnachtsmann – Bitte nicht wie letztes Jahr“ (Diogenes Verlag) entnommen. Hier schreibt die 8-jährige Elvira aus Pescara (Abruzzen): 

Lieber Weihnachtsmann (und auch Befana, ich hoffe, alle beide!)
es ist jetzt schon sieben Monate, dass Papa und Mama zwei geschiedene Wohnungen haben, die von Papa ohne Bilder und nur harte Stühle. Bitte bring ihm von mir ein bequemeres Sofa …Ich möchte auch, dass Du Mama einen Freund bringst und den Zauberstab, der alles kann. Dann zaubert sie und lacht. Für die anderen Geschenke lasse ich dir die Liste da.
Alles Gute von deiner Elvira

P.S. Für alle Fälle gebe ich dir beide Adressen, die von meinem Papa und die von der Mama

Italienisch lernen mit dem Vokabel-Adventskalender von ItalViva: jeden Tag ein neues Wort-Türchen mit italienischen Weihnachtsbräuchen und tollen Geschichten

Das Adventsvokabular – il vocabolario dell’Avvento

Starten wir mit den Überschriften und den im Text auftauchenden Wörtern:

  • il calendario dell’Avvento [il kalendário dell’awwento] = Adventskalender
  • la corona dell’Avvento [la koróna dell’awwento] = Adventskranz
  • la ghirlanda [la girlánda] = Türkranz
  • le caramelle [le karamelle] = Bonbons
  • i mandarancini [i mandarantschini] = Mandarinen
  • le arachidi [le arákidi] = Erdnüsse
  • la carruba [la karrúba] = Johannisbrot
  • la trombetta [la trombetta] = kleine Tröte
  • Babbo Natale [babbo natále] = Weihnachtsmann
  • Gesù Bambino [dschesú bambìno] = Jesuskind/Christkind
  • Befana [befána] = Weihnachtshexe

Wörter, die im Adventskalender (Woche 1) auf Facebook/Instagram vorgestellt werden:

  • le caldarroste [le kaldaroste] = heiße Maroni
  • decorare [dekoráre] = dekorieren, herrichten
  • Epifania [epifanía] = Dreikönigsfest
  • i fili d’argento [i fili dardschento] = Lametta
  • gelido [dschélido] = eisig

Sätze mit dem Vokabular von oben: 

  1. Dove hai comprato questo bel calendario dell’Avvento? = wo hast Du den schönen Adventskalender gekauft?
  2. In Italia c’è raramente una corona dell’Avvento nelle case private = in Italien gibt es selten Adventskränze in Privathaushalten
  3. Al loro posto ci sono le ghirlande = stattdessen gibt es Türkränze
  4. I bambini ricevono delle caramelle, dei mandarancini ed altro dal Nicolò = die Kinder bekommen Bonbons, Mandarinen und anderes vom Nikolaus
  5. Anche la Befana porta i regali = auch die Befana bringt Geschenke
  6. Mi piacciono le caldarroste = ich liebe heiße Maroni
  7. I fili d’argento sono un falso amico = Lametta ist ein falscher Freund
  8. In inverno il vento è spesso gelido = im Winter ist der Wind oft eisig

Anders als in Deutschland ist der erste Advent in Italien nicht der Startschuss für die Weihnachtsbäckerei. Zwar hat jede Hausfrau IHR ganz besonderes Rezept, aber das bäckt sie i.d.R. im Laufe der nächsten Wochen. Und damit ist es auch genug. Panettone, Pandoro, Panforte oder all die anderen bekannten italienischen Dolci werden eher gekauft als selbst zubereitet. Mehr darüber erfährst Du in einem der nächsten Blogartikel.

Willst Du mehr über Italien, die interkulturellen Unterschiede und natürlich die wunderbare Sprache Italienisch wissen? Dann trage Dich doch in meinen Newsletter ein. Fast jede Woche versende ich das ItalViva Settimanale, in dem Du aktuelle Informationen zu Italien erhältst. Sollte es ein brandaktuelles Angebot geben, werde ich Dir dieses auch sehr gerne zusenden.

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